Ein Hirtenhund in der Familie und der Öffentlichkeit.
Wie sich ein Hund
verhält, hängt von dem ab, was er gelernt hat, genauer was man ihm beigebracht
hat.
Die Geschichte von Vace (nachzulesen bei www.maremmano.ch) zeigt,
dass sich Hunde
als Rudeltiere entsprechend ihrer Rangordnung im Rudel verhalten. Bei einem
Rudel aus Hund und Menschen muß die Rangordnung festgelegt und bei Bedarf immer
wieder bestätigt werden. Das ist
die Aufgabe des
Rudelführers, also des Ranghöchsten im Rudel. Die Einordnung eines Hundes im
Rudel ist eines der wichtigsten Elemente im Leben eines Hundes. Wenn die
Rangordnung eines Hundes in einer Familie nicht eindeutig geklärt ist, versucht
er selbst, diese Rolle des Rudelführers zu übernehmen oder sich selbst
einzuordnen, ist dabei jedoch überfordert und so entstehen die Probleme von
selbst.
Einen mehrjährig
freilebenden Hund, insbesondere einen Hirtenhundrüden, erfolgreich in eine
Familie zu integrieren, ist eine Aufgabe, die Hundeverstand, Mut und Konsequenz
erfordert. Da nur wenige Leute über entsprechenden Hundeverstand und noch
weniger über Erfahrung mit Hirtenhunden verfügen, wird dies in den meisten
Fällen scheitern.
Vorraussetzung
für die erfolgreiche Integration eines Hundes in das Rudel Familie ist die vom
Hund akzeptierte Authorität des Rudelführers gegenüber dem Hund. Wie diese
Authorität zu erreichen ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab, muß wenn
nötig mit konsequenter Strenge und notfalls mit Einsatz von Gewaltausübung
durchgesetzt werden. Ein Eimer Wasser über dem Hundekopf entleert oder eine
Wasserbehandlung mit dem Garten-schlauch nach nicht befolgter Anordnung hat
schon manchmal Wunder bewirkt, auch bei ausgesprochenen
„Wasserhunden“. Auch hier muß das Befolgen der Anordnung durch den Hund immer mit einer anschließenden ausgleichenden
Belohnung verbunden werden, um dem Hund eine Akzeptanz der Authorität zu erleichtern.
Insbesondere bei Hirtenhunden mit ihrem genetisch geprägtem
Selbstentscheidungsverhalten ist dies ein wichtiges Sozialisierungselement.
Genauso wichtig
ist bei Hunden neben der Prägung in der ersten Lebenswochen die anschließende
Sozialisierung des Junghundes im Rudel Familie und im weiteren Lebensraum durch
konsequente Erziehung. Überläßt man dem Hund die Entscheidung über (unerwünschtes)
Verhalten oder akzeptiert dies, wird es immer wieder Probleme innerhalb des
Rudels Familie und in der Öffentlichkeit geben.
Wer einen Hund in
die Familie aufnimmt, hat meiner Meinung nach auch die Verantwortung und die
Verpflichtung dafür zu sorgen, dass der Hund weder andere Familienmitglieder
bedroht noch andere Leute in der Öffentlichkeit über Gebühr belästigt, bedroht
oder Schaden zufügt. Ohne Erziehung geht das nicht.
Dabei darf man
bei Hirtenhunden keinen unbedingten und immer vorhandenen Gehorsam erwarten.
Auch ein konsequent und gut erzogener Hirtenhund wird nicht immer und vor allem
nicht sofort die Anordnungen des Rudelführers oder ranghöherer
Familienmitglieder befolgen. Insbesondere wenn sie sich unbeaufsichtigt
glauben, z.B. wenn der Rudelführer sich mit anderen unterhält, glauben sie, nach
eigenem Willen handeln zu können und tun dies dann auch, besonders dann, wenn
sie zu mehreren frei laufen. Das bedeutet, man muß den oder die Hunde ständig
beobachten, um
sie unter
Kontrolle halten zu können und das funktioniert nur mit Authorität und
konsequenter Erziehung. Die Selbständigkeit von Hirtenhunden erschwert diese
Kontrollfunktion und manchmal ist ein gewisser Druck unumgänglich, um
unerwünschte Verhaltensweisen zu vermeiden.
Von Vorteil bei der
Erziehung ist, dem Hund von Anfang an ein Verbotswort beizubringen. „Nein“ ist
hierfür geeignet, weil man dies auf fast alle Situationen anwenden kann. Immer
wenn der Hund einer Anordnung folgt, sollte eine Belohnung seines Gehorsams
folgen, egal, was er auch vorher angestellt hat. Vorteilhaft ist es auch, den
Hund mit einem Signal (Hundepfeife) zu sich zu rufen, weil dies weitreichender
und besser hörbar für den Hund ist. Anfangs muß das Folgen auf das Signal jedes
Mal besonders belohnt werden, damit dies für den Hund einen besonderen Reiz
darstellt, z.B. mit einer unüblichen Leckerei (Wurst, Käse o.ä.). Dies muß
immer wieder auch
unter Ablenkung
(z.B. beim Spielen mit anderen Hunden) geübt werden, am besten zunächst am
freilaufenden Hund in einem eingezäunten Gelände. Hat der Hund dies gelernt,
übt man dies auch in der Öffentlichkeit, erst möglichst in Abwesenheit anderer
Hunde, dann im Zusammensein mit anderen Hunden. Vorteilhaft ist die Einübung
auf Hundeplätzen, weil hier die Ablenkung durch andere Hunde vorhanden ist und
trotzdem der Bewegungsspielraum des
Hundes eingegrenzt ist.
Hunde, die dies
einmal gelernt hatten, haben auch nach Jahren noch auf ein Pfeifsignal
reagiert, obwohl dies jahrelang von den Besitzern nicht mehr praktiziert wurde.
Man kann
anschließend ebenso ein Verbotssignal (z.B. mehrere kurze Pfiffe) einüben,
gefolgt von einem Rufpfiff (ein langer Pfiff) mit anschließender Belohnung für
das Kommen.
Auch muß man
Erlerntes immer mal wieder üben. Selbst wenn der Hund auf
eine Anordnung oder
ein Signal nicht sofort reagiert, zeigt doch die Wiederholung fast immer Erfolg
und das ist immer noch besser, als wenn der Hund gar nicht reagiert.
Auch bei einer
Begegnung mit anderen Hunden, jeder Hund kennt auch solche, die er nicht mag
oder sogar Erzfeinde, hilft die vorangegangene Erziehung zum Gehorsam und vor
allem die Ablenkung vom Feind. Und je schneller man die Begegnung vorbei sein
lässt, umso weniger tritt ein Agressionsverhalten auf. Also nicht den Hund
sitzen lassen, um den Feind passieren zu lassen. Damit verstärkt man nur das
Fixieren auf den Feind. Besser ist, den Hund durch Reden oder Leckerli
abzulenken und mit Sicherheitsabstand schnell am Feind vorbeizulenken. Anschließend
bekommt der Hund für sein positives Verhalten eine Bestätigung durch ein großes
Lob oder das in Aussicht gestellte Leckerli. Auch eine Vorwarnung des eigenen
Hundes (z.B. „Wehe---!!“) hilft oftmals.
Wie auch immer,
nicht jede Methode funktioniert bei jedem Hund in jeder Situation gleich oder
gleich gut und meist auch nicht beim ersten Mal. Man muß es ausprobieren. Mit
Konsequenz , Ruhe und Geduld und vielen Wiederholungen. Anordnungen müssen kurz
und klar in freundlich bestimmendem Tonfall gegeben werden. Strenger oder
ärgerlicher Tonfall klingt für den Hund wie Schimpfen und wenn man ständig
schimpft, reagiert der Hund mit Abblocken. Man kennt dies auch von Kindern.
R. Schmidt
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