Ein Ausstellungstag
Neulich waren wir wieder auf einer Ausstellung –
für Hunde - versteht sich. Meine Leute gehen da gern hin. Ich an sich auch.
Weil, da treffen wir bekannte Hunde und Leute und lernen auch immer wieder neue
kennen.
Nur das was vorausgeht, gefällt mir nicht so sehr.
Mitten in der Nacht werde ich gerufen, wo ich doch noch weiterschlafen möchte.
Zu fressen gibt’s auch nicht soviel wie sonst, manchmal auch gar nichts.
Die
Fahrt im Auto macht mir nichts aus – Autofahren gefällt mir. Da gibt’s viel zu
sehn, abwechslungsreich. Am
liebsten mag ich, wenn wir im Stau stehen. Da
winken mir viele Leute, weil ich so gut aussehe, lachen und machen Faxen für
mich. Meinen Leuten gefällt ein Stau nicht, vielleicht weil sie niemand
beachtet.
Bei der Ankunft wird’s hektisch. Ich werde dauernd
mit der Leine irgendwo hingezogen, obwohl ich viel lieber erst die vielen neuen
und interessanten Spuren aufnehmen will oder zu einer duften Hündin hindränge.
In der Ausstellungshalle geht’s dann so weiter, bis wir unseren Platz gefunden
und alles aufgebaut haben.
Dann darf ich noch mal raus, kann Wichtiges
erledigen und meist auch etwas ausgiebiger Schnüffeln und kurz Bekanntschaft
mit anderen Hunden machen.
Den Weg zurück in die Halle mag ich. Da trifft man
viele Hunde, manche stellen sich zwar ziemlich blöd an, verkriechen sich aus
meiner Reichweite oder pöbeln mich lautstark an. Andere sind freundlich
interessiert und wenn wir uns kennen, begrüßen wir uns freudig, auch die
Menschen, die bei solchen Begegnungen immer viel netter sind als im Alltag. An
unserem Platz angekommen muß ich mich hinlegen und warten.
Das ist ziemlich
langweilig und wenn ich gelegentlich einen nahekommenden Hund begrüßen will,
soll ich das auch wieder nicht. Ab und zu bekomme ich einige Leckerli, Wasser
ist auch immer da, und so vertreibe ich mir die Wartezeit mit ein wenig
Umschauen, man muß ja auf dem Laufenden bleiben, und döse so vor mich hin.
Manchmal wird’s interessant, wenn sich andere Hunde in der Nähe gegenseitig
anmachen. Gern würde ich da ein bißchen mitmischen, man gönnt sich ja sonst
nichts, aber meine Leute haben dafür überhaupt kein Verständnis, nicht auf
Ausstellungen. Ich soll mich anständig benehmen.
Plötzlich kommt Hektik auf. Ich habe gerade ein
bißchen geträumt, weiß noch gar nicht, worum’s geht. Ach so, in den Ring. Na
ja, mag ich eigentlich auch nicht. Immer im Kreis rumlaufen wie blöd, als wenn
ich Nichts anderes könnte. Schließlich gehe ich jede Woche zur Hundeschule. Da
lernen meine Leute bei mir
Fuß zu gehen. Ich kann das ja, aber die? Man weiß
oft nicht, wo die mit ihren Gedanken sind, jedenfalls nicht bei der Sache. Wir
üben es immer wieder, man muß einfach Geduld mit seinen Leuten haben.
Nach einigen Runden im Ring kann ich mich kurz
ausruhen, dann kommt das Übliche – Zähne zeigen, begrabbeln lassen. Dann werde
ich wieder in Ruhe gelassen, weil dann die anderen Hunde, die mit mir im Ring
sind, dies auch über sich ergehen lassen müssen. Dabei sieht doch jeder auch
so, daß ich ein toller Hund bin.
Schließlich kommt der Richter, gratuliert
meinen Leuten zu mir, gibt ihnen das auch noch schriftlich, was sie sowieso
wissen müßten, aber sie freuen sich, immer wieder dasselbe über mich zu lesen,
weil sie es sich vielleicht doch nicht solange merken können.
Zurück an unserem Platz bekomme ich noch viele
Aufmerksamkeiten von meinen Leuten, auch von anderen, reichlich
Streicheleinheiten und Leckkerli. Dafür kann man das im Ring rumlaufen schon
auf sich nehmen.
Irgendwann zieht ein köstlicher Duft in meine
Nase. Früher habe ich gedacht, jetzt kommt der Höhepunkt des Tages. War wohl
wieder nix. Manchmal bekomme ich ein wirklich kleines Stückchen Fleisch oder
Bratwurst ab, aber meistens fressen meine Leute alles selber.
Auf der
Ausstellung vor drei Wochen hatte ich mehr Glück. Ein Mensch, der gerade
vorbeikam, ließ auf einmal zwei Bratwürste direkt vor meine Schnauze fallen. Er
muß wohl über meinen Trinknapf gestolpert sein, der etwas weit im Gang stand.
So schnell wie ich die beiden Bratwürste weg hatte, konnten meine Leute noch
nicht mal was Unpassendes dazu sagen. Waren zwar verdammt heiß diese
Bratwürste, aber der Geschmack war vortrefflich. Was soll man auch sonst mit
runtergefallenen Bratwürsten machen? Von den Menschen frißt die doch keiner und
zum Wegwerfen sind sie nun wirklich zu schade. Vielleicht hätte der
Bratwurstbesitzer die Bratwürste auch gerne seinem Hund gegeben. Die
Entscheidung habe ich ihm abgenommen, zuvorkommend, wie ich nun mal bin.
Ich bin kurz eingedöst, da werde ich nocheinmal zu
einem Spaziergang gerufen. Es hat angefangen zu regnen, macht mir ja gar
nichts. Aber meine Leute kehren schnell wieder um, so daß ich nur das Nötigste
erledigen kann. Ich lege mich wieder auf die Seite, weil man bei solchen
Ausstellungen ja nicht viel zum Schlafen kommt. Kaum bin ich eingeschlafen,
konnte noch nicht einmal anfangen zu träumen, werde ich durch ein Getrappel
über das Übliche hinaus geweckt. Die Pokale werden ausgegeben. Meine Leute
kommen mit dem Pokal zurück, zeigen ihn mir, was mich weniger interessiert; sie
hält‘s nun nicht länger am Ort. Alles wird zusammengepackt, selbst mein
Kauknochen, an dem noch reichlich Gutes dran war, wird mir weggenommen und ab
geht’s ins Auto und nach Hause.
Vielleicht begegnet uns auf der Heimfahrt noch
ein schöner Stau. Wie schon gesagt, ich mag Staus.
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